Update: 05.01.2012

Ab morgen nehm ich ab
Einkaufswagen1

Es gab Zeiten, da ging ich täglich auf die Waage, um zu kontrollieren, ob alles im grünen Bereich war. Und dann gab es Zeiten, da stellte ich die Waage weg, weigerte mich, der Wahrheit ins Digitalauge zu sehen.

 

Ab morgen nehme ich ab

Im Dezember 1997 war es mal wieder so weit. Meine Waage hatte ich in die hinterste Ecke des Schlafzimmers verbannt. So ging das nun schon einige Jahre. War ich Anfang 20 noch schlank mit Grösse 38, so hatten mich die drei Schwangerschaften und der damit verbundene Freibrief „Nun kannst Du endlich essen“ doch ganz schön auseinander gehen lassen. Zwischendurch war ich zwar motiviert, wieder mein normales Gewicht zu erreichen, aber jedes Mal, wenn ich einen Diätanlauf nahm, wurde ich erneut schwanger oder andere Hindernisse tauchten auf. Das letzte solche Hindernis war unser Umzug und die Renovierung unseres eigenen Hauses. Die Dreifachbelastung aus Haushalt, Kindern und Baustelle liess mich nur noch essen. Innerhalb eines halben Jahres nahm ich durch den Stress zehn Kilo zu. Na ja, nicht wirklich durch den Stress, es war schon das übermässige Essen, Balsam für meine geschundene, gestresste Seele.

Doch Hilfe war in greifbarer Nähe. Der Jahreswechsel stand bevor. Was macht man im neuen Jahr? Genau wie alle anderen auch fasste ich den Vorsatz: „Im neuen Jahr nimmst du ab.“
Ich kramte meine Waage heraus, aber obwohl ich völlig unbekleidet war, meine Halskette abgelegt hatte, noch einmal auf die Toilette gegangen war, noch nichts zu mir genommen hatte und vor dem Wiegen ausatmete (es fehlte nur noch, dass ich mir die Fingernägel schnitt), fiel ich fast rückwärts von der Waage. Ich drehte die Waage um 90 Grad – keine Veränderung. Ich ging mit ihr in den Flur – die Fliesen im Bad sind vielleicht doch schief verlegt? – keine Veränderung. „Mädchen, was hast du denn erwartet?“, fragte ich mich selbst und gelobte: Ab morgen nehme ich ab.

 

Wie fange ich an?
Es verging ein Tag nach dem anderen und ich hatte einfach keinen richtigen Plan. FdH (Friss die Hälfte) schaffte ich nicht. FdH von was denn? Sollte ich statt dreier panierter Schnitzel mit fettigen Bratkartoffeln ab jetzt nur noch die Hälfte essen? Eine genaue Diät musste her. Aber ich hatte keine Lust auf Diät. Seit sechs Jahren versuchte ich immer wieder, meine angefutterten Kilos mit irgendeiner Diät runterzuhungern. Meistens hatte ich kurzfristig Erfolg damit, doch mit dem Ergebnis, dass ich anschließend wieder zunahm und meistens noch ein paar Kilos mehr.
Außerdem passen Diäten immer nur in einen bestimmten Zeitrahmen. Man darf ungefähr zwei bis vier Wochen nichts vorhaben. Es durften also weder Weihnachten, Silvester, Neujahr, Fasching, Ostern, Pfingsten, Konfirmation, Grillsaison, Erntedank, Geburtstage, Hochzeiten, Einladungen, Hochzeitstage, Restaurantbesuche, Frühstückstreffen, Kaffeeklatsch… dazwischenkommen. Inzwischen hatte ich 16 Kilo mehr auf der Waage als ich wollte, da würden selbst vier Wochen ohne Essanlässe nicht ausreichen.

Mitten in meinen Diätüberlegungen wurde ich dann völlig unerwartet schwanger. Natürlich freuten mein Mann und ich uns sehr über diese Nachricht. Ich hegte die leise Hoffnung, nun doch noch ein Mädchen zu bekommen. Allerdings versetzte mich die Aussicht darauf, dass ich zu den 16 Kilos nun noch einmal 20 zunehmen würde, in Panik. „Hinterher nehme ich ab!“; beruhigte ich mich dann relativ schnell.

Es kam aber leider anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Wir verloren unser Kind in der 9. Schwangerschaftswoche. Zunächst dachte ich weder an mich noch an meine Gewichtsprobleme, sondern wir trauerten um unser Kind und überlegten dann gemeinsam, ob wir tatsächlich zu unseren vier Jungs, die alle noch recht klein waren, und der Baustelle, auf der wir wohnten, noch ein Baby haben wollten. Ich entschied mich dann für ein „Nein“. Es sollte wohl so sein, und wir nahmen die Entscheidung hin, dass wir dieses Baby nicht haben sollten, aus welchen Gründen auch immer.

 Mein Entschluss

Ich selber dachte in dieser Zeit viel über uns als Familie und über mich persönlich nach und kam zu dem Entschluss, dass ich unbedingt einmal etwas für mich tun musste, um auch im Alltag meiner Familie gerecht zu werden. Es war Zeit für eine Veränderung.

Also nahm ich mir vor: „Ich möchte mein Wunschgewicht in diesem Jahr wieder erreichen, und ich werde es schaffen.“ Eine Freundin erzählte mir von den Weight Watchers. Dort könne man erfolgreich abnehmen. Ich rief bei der Leiterin der Treffen an und sie erklärte mir das Konzept. Einige Tage später schon stand ich dann bei ihr auf der Waage und mein Weg in eine schlanke Zukunft begann.

Von Anfang an war ich total begeistert von dem Programm: Ich konnte alles essen, es mir selber einteilen, brauchte für die Familie nicht extra zu kochen und konnte mir auch in Maßen meine Süßigkeiten gönnen. So machte Abnehmen Spaß.

Innerhalb von 4 Monaten nahm ich 32 Pfund ab.

hm

 

[Ab morgen nehm ich ab]